Der für das Team Hämmerling TuS Sennelager spielende Kacper Zuk lieferte ein begeisterndes Match ab. Doch sein Sieg war zu wenig, um den Abstieg der Ostwestfalen zu verhindern. © Ralf Meier

Paderborn. Bereits am achten von neun Spieltagen fielen in der von Corona geprägte Saison der 1. Tennis-Point Bundesliga Herren zwei Entscheidungen: Grün-Weiss Mannheim wurde nach 2018 und 2019 zum dritten Mal in Folge Deutscher Mannschaftsmeister und das Team Hämmerling TuS Sennelager steht als erster Absteiger fest. Nur ein Sieg auf der Anlage beim Hövelhofer Tennis Club Blau-Weiss hätte am 8. Spieltag (13. August) möglicherweise das verhindern können, was durchaus gegen Tennis Ewige Liebe BW Neuss möglich gewesen wäre. Doch unter dem Strich stand eine 1:5 Niederlage und der Aufsteiger aus der niederrheinischen Domstadt hat mit diesem doppelten Punktgewinn das Saisonziel Klassenerhalt realisieren können. Dabei sah das über weitere Strecken während der vier Einzelpartien nicht unbedingt danach aus. Vor 650 Zuschauern erwiesen sich die Ostwestfalen als gleichwertige Kontrahenten des aktuellen Tabellenvierten.

Die erste Einzelrunde wurde mit Sieg und Niederlage beendet, wobei der erstmals an vier spielende aufgebotene Niederländer David Pel (ATP-Doppel 79) mit Handgelenksproblemen in die Begegnung gegen Javier Barranco Cosano (ATP 329) gegangen war. Dies machte sich vor allem im ersten Satz bemerkbar, die mit einem 0:6 endete. Der biss sich letztlich im zweiten Satz durch, doch mit seiner Tiebreak-Niederlage war das Match verloren. Der 22-jährige Kacper Zuk (ATP 171) machte sich zunächst das sportliche Leben als Nummer zwei auf dem Centre Court selber schwer, denn er fand keine sportliche Linie gegen seinen italienischen Kontrahenten Roberto Macora (ATP 216). Doch nach Satzverlust wusste sich der junge Pole erheblich zu steigern und begeisterte fortan das Publikum. Er verzückte es regelrecht, denn seine unglaublich schnellen Schläge von der Grundlinie aus brachten ihn auf den sich anbahnenden Erfolgsweg. Begeisterung auch deshalb, weil sein Gegenüber die schnelle Gangart mitging und es wurde ein Duell auf Augenhöhe. Nach Satzausgleich ging es in den Matchtiebreak und der entwickelte sich dramatisch. Es folgten Matchbälle auf beiden Seiten und der immer wieder aufbrandende Applaus brachte letztlich das siegbringende Resultat von 4:6, 7:5 15:13 für Kacper Zuk. Dieses Duell zeigte einmal mehr, wie faszinierende Tennis-Bundesliga sein kann.

Erstmals im Team stand der bullige Italiener Gian Marco Moroni (ATP 229), man nennt ihn auch >El Bufalo<, der gegen seinen Neusser Landsmann Renzo Olivo (ATP 215) das Grundlinienduell lange offen hielt. Mehr aber auch nicht. Gegen die schnelle Gangart des wieselflinken Italiener stand er auf verlorenem Posten und hatte in eine klare 3:6, 2:6 Niederlage einzuwilligen. Sehenswerte war dagegen die Auseinandersetzung der an eins aufgebotenen Profis, Jozef Kovalik (ATP 126) und Thomas Fabbiano (ATP 214). Vom ersten Ballwechsel an bestimmte der 28-jährige Slowake die Partie, führte schnell mit 4:1, doch irgendwie war dann der Faden gerissen. Zwar wurde der vier Jahre ältere Fabbiano stärker, doch irgendwie stand Kovalik nun neben sich und verlor den ersten Satz. Nach einer kurzen Toilettenpause kam der >Hausherr< wie ausgewechselt zurück und schaffte den Satzausgleich. Leider was dies nur ein kurzes Aufflackern seines Könnens, denn den spielentscheidenden Matchtiebreak buchte der Neusser, und sein 6:4, 3:6, 10:7 Erfolg wurde lautstark von den mitgereisten Neusser bejubelt. Sie führten nun mit 3:1 und ihr angestrebter Punktgewinn zum Ligaverbleib war greifbar.

Das daraus eine halbe Stunde später sogar ein Sieg wurde, lag an der verletzungsbedingten Aufgabe von David Pel. So kam nur ein Doppel zustande. Der 6:7(3), 6:3, 10:6 Erfolg des Gästeduos Thomas Fabbiano/Renzo Olivo gegen Kacper Zuk/Gian Marco Moroni ergab schlussendlich die deutliche Niederlage für das Team Hämmerling TuS Sennelager. Wer die Ostwestfalen mit in die zweite Liga begleiten wird, entscheidet sich am Sonntag. Der auf einem Abstiegsplatz verweilende Tabellenneunte Rochusclub Düsseldorfer (5:11 Punkte) empfängt die Ostwestfalen und nur ein Sieg der Rheinländer könnte sie retten. In der für das Team Hämmerling TuS Sennelager bedeutungslosen Begegnung wollen sie mit Kacper Zuk (ATP 168), Jonas Forejtek (ATP 318), Daniel Cukierman (ATP 756), Jan Zielinski (ATP-Doppel 132) und David Pel (ATP-Doppel 76) am Rolander Weg in der NRW-Landeshauptstadt antreten. Ebenfalls in Abstiegsnöten schweben die davor platzierten Krefelder und Kölner, die jeweils einen 6:10 Punktestand aufweisen. Das Kuriose an diesem letzten Spieltag ist, dass diese beiden Teams auf der Anlage der Blau-Weissen im Stadtwald aufeinandertreffen.

Übrige Resultate

Grün-Weiss Mannheim Allpresan Rochusclub Düsseldorf4:2 (3:1)
Kurhaus Lambertz AachenTC Großhesselohe4:2 (2:2)
TSV 1860 Rosenheimer UnterstützungskasseHTC Blau-Weiss Krefeld1:5 (0:4)
Kölner THC Stadion Rot-WeissBadwerk Gladbacher HTC2:4 (1:3)

SpieltageSätzeMatchesPunkte
1.Grün-Weiss Mannheim (DM)876:4234:1414:2
2.Badwerk Gladbacher HTC868:4929:1911:5
3.TC Großhesselohe864:4728:2010:6
4.Tennis Ewige Liebe BW Neuss (A)863:4927:219:7
5.TSV 1860 Rosenheimer Unterstützungskasse (A)862:5326:229:7
6.Kurhaus Lambertz Aachen
854:5922:267:9
7.HTC Blau-Weiss Krefeld845:6520:286:10
8.Kölner THC Stadion Rot-Weiss848:6919:296:10
9.Allpresan Rochusclub Düsseldorf850:6818:305:11
10.Team Hämmerling TuS Sennelager8 43:7217:313:13

DM = Deutscher Mannschaftsmeister 2019
A = Aufsteiger 2019