Unglaublicher Sieg gegen LTTC Rot-Weiß Berlin

Der topgesetzte Raul Brancaccio setzte mit seinem Sieg den Schlusspunkt und führte so das Team Hämmerling mit einem 5:1-Zwischenresultat vorzeitig zum Gesamtsieg. © HTC (Ralf Meier)

Diesen Spieltag wird das Team Hämmerling TuS Sennelager nicht so schnell vergessen, denn der LTTC Rot-Weiß Berlin wurde bereits in den Einzeln entzaubert. Mit 5:1 stand der Erfolg vorzeitig fest und die knapp 500 Zuschauer sahen Tennis vom Feinsten. Dieses Resultat lässt in der 2. Tennis-Bundesliga aufhorchen, denn das was sich am 4. Spieltag eintrat, ist nicht alltäglich. Die Ostwestfalen, mit einem Sieg (gegen des SCC Berlin) und einer Niederlage (4:5 beim Bremer TC von 1912) waren nicht optimal in die Saison gestartet und hatten vor knapp 500 Zuschauern den Tabellen-Dritten LTTC Rot-Weiß Berlin zu Gast. Die Mannschaft aus dem Grunewald wiederum war mit „viel Selbstvertrauen nach zwei Siegen“ so Teamchef Timo Taplick, in Ostwestfalen angekommen und hatte sich viel vorgenommen. „Wir wollten gewinnen“, so Markus Zoecke, „um die an der Tabellenspitze zu ärgern.“ Daraus wurde aber nichts und Zoeckes-Fazit war ernüchternd ehrlich: „Das war ein schwarzer Tag für uns.“

Nun gehören Niederlagen im Sport zur Tagesordnung, doch was sich an diesem Freitag auf der Anlage des Hövelhofer Tennis-Club Blau-Weiß abgespielt hat, war schon großartig: Bereits nach den sechs gespielten Einzeln stand mit einem überragenden 5:1-Zwischenresultat vorzeitig der Sieg der Paderborner fest und am Ende lautet das Schlussresultat 7:2. Mit einem derartigen Erfolg im Rücken bekam dann auch die Clubfete >Blau-Weisse-Nacht< den richtigen Schwung. Dass die Tennisprofis auf Seiten der Hausherren bis in die Haarspitzen motiviert waren, zeigte sich bereits in der ersten Einzelrunde. Ihnen war nach der unglücklichen Niederlage in der Hansestadt Bremen klar, wenn man in der Tabelle nicht weiter nach unten rutschen will, muss diese Partie gewonnen werden. „Ich habe heute Nacht um 2 Uhr von Lucas den Anruf bekommen, dass er kommen wird“, sagte Chefcoach Ewald Spaaij, der mit dem Franzosen Bouquet nun einen siebten Mann im Kader hatte. Dass er dann später glatt in zwei Sätzen seinem Landmann Baptiste Crepatte unterlag, ist auch der Müdigkeit geschuldet. Es bleib aber die einzige Einzelniederlage.

Den ersten Einzelsieg steuerte Benedikt Henning bei, der sich mit dem Berliner Nachwuchsmann Nino Ehrenschneider ein zähes Grundlinienduell liefert. Als sich die Partie dem Ende zuneigte und der Hämmerling-Punkt zum Greifen nahe war, setzte aus der nahegelegenen evangelischen Johanneskirche das Glockengeläut ein. Mit diesem lauten Beistand konnte dann auch nichts mehr schief gehen: Sieg! Zu dieser Zeit neigte sich auf dem Centre Court auch das Duell zwischen Matteo Martineau und dem erstmals in Reihen der Berliner eingesetzten Ukrainer Oleksii Krutykh dem Ende zu. Die Zuschauer waren fasziniert von dem spielerischen Potential beider Akteure, doch das glückliche Ende hatte im Champions-Tiebreak – nach 1:5-Rückstand – mit 10:8 der französische Hausherr. Es lief nur noch das Einzel zwischen Antoine Cornut-Chauvinc und dem 26-jährigen Berliner Timo Stodder. Da sich das Publikum nun um diesen Court geschart hatte und mit rhythmischen Klatschen ihren Mann unterstützten, schien dieser förmlich die Emotionen einzuatmen. Selbst Matchbälle gegen sich im Champions-Tiebreak konnten ihn nicht aufhalten und das 11:9 schrieb eine 3:0-Führung fest.

Der 27-jährige Julien Cagnina traf nun auf Eduard Esteve Lobato, der sich bis dato eine makellose 5:0-Bilanz aus seinen Einzel- und Doppeleinsätzen hat erspielen können. Doch sein Siegeszug endete in Hövelhof. Der Berliner ging zwar schnell mit 3:1 in Führung, das war es aber auch schon. Hämmerlings Belgier agierte variantenreich und belohnt wurde er mit einem Zweisatzsieg. So lief nur noch die Spitzenbegegnung zwischen den Spaniern Matteo Brancaccio und Oriol Roca-Batalla, der den ersten Durchgang für sich buchen konnte. Doch Hämmerlings Nummer eins war davon unbeeindruckt und stellte genauso schnell mit 2:6, 6:3 den Satzausgleich her. Mittlerweile waren die Zuschauer an den Centre Court gekommen und sie erlebten im Champions-Tiebreak ein Wechselbad der Gefühle zwischen Sieg und Niederlage. Mal für den Einen, mal für den Anderen. Aber auch hier: Matteo Brancaccio war der fintenreichere Akteure und zeitweise gab es ein Stopp-Lob-Spiel zu sehen. Mit hoher Geschwindigkeit wurden des Weiteren die Bälle in die Ecken gespielt und die Schnelligkeit der Beiden war bemerkenswert. Frenetischer Beifall begleitete dabei dauerhaft den Lokalmatador und der fightete sich letztlich – nach einem 8:9-Rückstand und Matchball gegen sich – mit 11:9 zum Erfolg der Gastgeber. Ein insgeheim erhoffter Sieg wurde pure Realität.

„Ein Riesenlob an meine Mannschaft. Sie hat sich mit dieser außergewöhnlichen Leistung den Sieg verdient“, so Hauptsponsor Ralf Hämmerling, „aber auch ein Glückwunsch an die Berliner. Sie haben unglaublich gefightet, nur wir hatten heute das Quäntchen Glück zum Erfolg.“ Mit diesem großartigen Sieg im Reisegepäck fährt das Team Hämmerling am Sonntag zum Tabellennachbarn Kölner THC Stadion RW, die sich am Freitag deutlich mit 7:2 beim Oldenburger TeV durchsetzen konnten. „Es gibt keinen Grund mein Mannschaft zu ändern“, so Teamchef Ewald Spaaij, „und ein solcher Auftritt mach einfach Spaß. Ich hoffe einmal, das wir uns nun als Mannschaft gefunden haben.“

Team Hämmerling TuS Sennelager – LTTC Rot-Weiß Berlin 7:2 (5:1)
Einzel: Brancaccio, Raul (ESP/ATP 286) – Roca-Batalla, Oriol (ESP/ATP 235) 3:6, 6:2, 11:9, Martineau, Matteo (FRA/380) – Krutykh, Oleksii (UKR/242) 7:6(7), 5:7, 10:8, Cagnina, Julien (BEL/1083) – Esteve Lobato (ESP/291) 6:3, 6:3, Cornut-Chauvinc, Antoine (FRA/828) – Stodder, Timo (GER/404) 3:6, 7:6(3), 11:9, Bouquet, Lucas (FRA/874) – Crepatte, Baptiste (FRA/1041) 1:6, 3:6, Henning, Benedikt (GER/1847) – Ehrenschneider, Nino (GER/1450) 6:3, 6:4. Doppel: Brancaccio/Cagnina – Roca-Batalla/Esteve Lobato 6:4, 6:2, Martineau/Henning – Krutykh/Ehrenschneider ohne Spiel, Cornut-Chauvinac/Pel, David – Stodder/Crepatte 2:6, 3:6.