Der für den Tennissport im Deutschen Tennis Bund (DTB) zuständige Vizepräsident Thomas Heil bezieht im Interview mit dem Sportjournalisten Christoph Kellermann Position zu Fragen des Vereinswechsel in der Coronazeit. © Deutscher Tennis Bund

Von Christoph Kellermann (www.tennisredaktion.de)

Der Vizepräsident Sport des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Thomas Heil, nimmt im Interview mit Sportjournalist Christoph Kellermann Stellung zu den Forderungen einiger Spieler zu möglichen Vereinswechsel. Die fragen, warum ist es nicht möglich, nach der Corona-bedingten Abmeldung von Mannschaften in einem anderen Team, möglicherweise auch in einem anderen Landesverband, auf Punktejagd zu gehen?

 

Was spricht gegen diese Forderung von Spielerinnen und Spieler.

Thomas Heil: Nun, Sie können sich sicherlich vorstellen, dass jegliche Entscheidung des Deutschen Tennis Bundes in Sachen »Neustart des Wettspielbetriebes in einer nach wie vor existierenden Pandemie« jeweils zur Hälfte mit pro oder contra beurteilt wird. Natürlich werden wir am Ende nicht Jeden davon überzeugen können, dass der vom DTB eingeschlagene Weg der einzig Richtige war. Diesen Anspruch erhebe ich auch nicht, weil es keinen Königsweg gibt. Dennoch gibt es Gründe warum wir die Meldelisten der Bundes- und Regionalligen nicht mehr zu Gunsten der Amateure öffnen.

Die da wären.

Es geht nicht alleine um das Thema Wettbewerbsverzerrung, obgleich diese bei nachträglicher Öffnung der Meldelisten immer gegeben ist, sondern darum, dass Spielerinnen und Spieler, die für ihre Teilnahme am Wettspielbetrieb finanzielle Zuwendung bekommen, bei Absage dieser Wettbewerbe nicht auf Amateurligen ausweichen sollen. Viele der potentiellen Gegenspieler aus den Verbands- und darunterliegenden Ligen haben aus ihrer Sicht – und damit sind wir beim Pro – kein Interesse daran, wenn sie in einer Übergangssaison, die ausschließlich dem Spaß am Mannschaftstennis dienen soll, plötzlich ausgewachsenen Profis oder Ausnahmekönnern gegenüberstehen. Dass eine Saison, bei der es weder um Auf- noch Abstieg geht, nicht die Plattform für Aktive aus den Bundes- oder Regionalligen ist, war also für unsere Entscheidung ein durchaus gewichtiger Grund.

Sie denken besonders an den Amateursport.

Thomas Heil: Ja, denn auch am Ende der Mannschaftsmeldungen stehen Spielerinnen und Spieler, die einen Anspruch auf den Spaß am Tennis haben und dass man die Mannschaftsstruktur nicht nachträglich verändert und sie aus ihrem ohne Bundes- und Regionalligaspielerinnen und -spieler gewachsenen Team herauskatapultiert. Ein falsches Zeichen für den Amateursport.

Und was sagen Sie dem Bundes- oder Regionalligaspieler, der übergangsweise gern in einer anderen Mannschaft spielen möchte.

Thomas Heil: Die Regionalligen finden nach dem aktuellen Stand in drei Regionen statt und es war dafür Bedingung, dass nach dem geltenden Regelwerk ohne Sonderregelungen, wie beispielsweise die Öffnung der Meldelisten vom 15. März, gespielt wird. Dies als Voraussetzung für einen möglichen Aufstieg der Staffelsieger in eventuell darüber liegende Bundesligen und die Durchführung der Endrunde für die Deutschen Meisterschaften der Vereine. Wenn jetzt vereinzelte Altersklassen auf Grund des Rückzugs der Vereine nicht stattfinden, kann man dafür den DTB oder die Spielausschüsse der Regionalligen nicht verantwortlich machen und verpflichten, dafür Sorge zu tragen, dass den betroffenen Spielerinnen und Spielern eine andere Plattform in nachfolgenden Ligen ermöglicht wird. Die davon Betroffenen, sollten vielleicht auch mal das Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen suchen und deren Gründe erfragen.

Gibt es zu dieser Problematik eine Landesverbandsübergreifende einheitliche Regelung oder regelt das jeder Landesverband für sich.

Thomas Heil: Es liegt mir fern, mich in die Kompetenzen der Landesverbände einzumischen und deren Verhaltensweisen zu kritisieren. Die sind durchaus in der Lage, ihren Wettspielbetrieb nach eigenem Recht zu organisieren. Wenn man sich dabei allerdings an der Argumentation des Deutschen Tennis Bundes orientiert, dann ist der Einsatz solcher Spielerinnen und Spieler auch auf Landesverbandsebene nicht möglich.

Manche werfen dem DTB fehlendes Fingerspitzengfühl vor. Die Aktiven meinten, dass Corona auch besondere Maßnahmen erfordern.

Thomas Heil: Lenken wir einmal vom Schicksal der Aktiven und Senioren ab und blicken auf die Jugend, deren Vereine sich entschieden haben, nicht am Wettspielbetrieb 2020 teilzunehmen. Auch dies geschieht in der heutigen Zeit und hat möglicherweise noch viel größere Nachwirkungen in den kommenden Jahren. Solidarität und Verständnis sind in diesen Tagen gefragt. Fehlendes Fingerspitzengefühl kann man dem DTB nur dann vorwerfen, wenn man den Blick ausschließlich auf sein eigenes Problem richtet und das große Ganze aus den Augen verliert.

Für die deutschen Profis jedenfalls hat der DTB jedenfalls den Weg über die aktuell gestartete Turnierserie >German Pro Series< geebnet.

Ja, für den Bereich der deutschen Profispielerinnen und -spieler haben wir ein deutliches Signal gesetzt und hoffen, dass dem Vorbild folgend, die noch ausstehenden Preisgeldturniere für Aktive und Senioren stattfinden können. Das ist dann selbstverständlich kein Ersatz für den regulären Wettspielbetrieb, bietet aber immerhin die Möglichkeit, sich mit spielstarken Partnern zu messen und nicht auf Verbands-, Bezirks- oder gar Kreisebene ausweichen zu müssen.

Herr Heil, besten Dank für das Interview.