Mit neuer Frisur zum ersten Sieg!

Ob es an der neuen Frisur gelegen hat, man weiß es nicht. Auf jeden Fall zeigte Lucas Bouquet sein bis dato bestes Tennis für das Hämmerling-Team und kam zum ersten Einzelsieg für die Ostwestfalen. © HTC (Ralf Meier)

Für den Erstliga-Absteiger Team Hämmerling TuS Sennelager war als Saisonziel in der 2. Tennis-Bundesliga Nord der Klassenerhalt vorgegeben, doch zuletzt hat die 1:8-Niederlage am vergangenen Freitag gegen den Aufstiegsaspiranten TP HerzensSACHE Versmold schon arg wehgetan. Insofern war am sonntäglichen 7. Spieltag vor der Begegnung gegen den Tabellensiebten THC Brühl große Nervosität spürbar. „Siegen ist Pflicht“, so die Devise vor dem ersten Ballwechsel auf der Anlage des Hövelhofer Tennis-Club Blau-Weiß und als die Begegnung kurz nach 18 Uhr beendet war, sah man auf Seiten der Hausherren nur breites Lachen in den Gesichtern. Zufriedene Mienen gab es aber bereits zuvor nach den sechs Einzelmatches, denn mit fünf gewonnenen Duellen war der Sieg festgemacht. An die gezeigten sehr guten Einzelleistungen konnten die Schützlinge von Chefcoach Ewald Spaaij in den Doppeln nahtlos anknüpfen und der THC hatte mit einer 1:8-Niederlage die Heimreise in die Schlossstadt Brühl anzutreten.

Da an diesem letzten Tag im Monat Juli zugleich der praktisch abgestiegene Tennis-Club SCC Berlin mit 1:8 in Aachen verlor und mit 0:12 Punkten Tabellenletzter ist, rangiert mit 2:10 Punkten der Oldenburger TeV – nächster Auswärtsgegner am Freitag der Ostwestfalen – eine Platz davor. Der Bremer TC von 1912 – 4:5-Niederlage gegen den neuen Tabellenführer Kölner THC Stadion RW – hat ebenso wie der THC Brühl 4:8 Punkte und sie liegen hinter dem Team Hämmerling TuS Sennelager (6:6 Punkte) auf den Plätzen sechs und sieben. So dass praktische dieser Erfolg gegen Brühl quasi zum Klassenerhalt beigetragen hat.

Diese konzentrierte Leistung der Mannschaft brachte auch Lob vom Hauptsponsor Ralf Hämmerling ein: „Was uns in der letzten Saison gefehlt hat, war der Teamgeist. Heute haben wir eine Mannschaft gesehen, die sich gegenseitig unterstützt. Auf dieses Team bin ich stolz und ich hoffe, dass wir darauf aufbauen können.“ Nicht viel anders beurteilte auch Chefcoach Ewald Spaaij die Leistung seiner Spieler nach dem deutlichen Heimerfolg: „Jeder wusste heute worauf es ankommt. Alle waren fokussiert und das hat mich beeindruckt. Sie haben heute Wiedergutmachung für den Freitag gezeigt. Darüber haben wir auch gesprochen, so dass jetzt alles wieder im reinen ist.“

So starteten in der ersten Einzelrunde der 25-jährige Perez (gegen Diego Barreto Sanchez) ebenso mit einem 6:2-Satzgewinn wie sein Teamkollege Julien Cagnina (gegen Kenny De Schepper), während an Nummer sechs Benedikt Henning mit 0:6 gegen den Italiener Christian Carli unter seinen Möglichkeiten blieb. Ausgeglichener gestalteten die Brühler nach Satzrückstand den zweiten Durchgang, wobei der an zwei aufgebotenen Belgier Cagnina sich mit dem Franzosen De Schepper ein 149 minütiges Duell lieferten. In der entscheidenden Phase des zweiten Satzes kam der 28-jährige Belgier durch ein Break zur 6:5-Führung und in Folge mit einem Ass im zweiten Aufschlag zum Matchball. Eng wurde es auch im zweiten Durchgang im Duell zwischen den USA und Spanien, wobei Perez den Tiebreak zu seinen Gunsten entscheiden konnte und so waren schon zwei Punkte gebucht. Inzwischen hatte der aus Bad Hersfeld stammende Benedikt Henning seine spielerische Linie gefunden und der in den USA studierende Deutsche war nun ebenbürtig. Mit den 400 Zuschauern im Rücken – es lief zu dieser Zeit nur noch diese Partie – ging es nach Satzausgleich im Tiebreak zur Entscheidung in den Champions-Tiebreak. Die lautstarke Publikumsunterstützung half aber nicht, denn der 26-jährige Italiener verkürzte mit 6:0, 6:7(4), 11:9 auf 1:2.

In Führung liegend hielt in der zweiten Einzelrunde das Team Hämmerling TuS Sennelager das Heft des Handels in der Hand. Keine allzu großen Probleme hatte der topgesetzte Corentin Denolly gegen seinen spanischen Kontrahenten Nikolas Sanchez-Izquierdo und der 25-jährige Franzose baute mit einem Zweisatzsieg den Zwischenstand auf 3:1 aus. Sicher startete Antoine Cornut-Chauvinac gegen seinen französischen Landsmann Maxime Hamou mit 6:4, doch der mit hörbarer Eigenmotivation spielende Kontrahend fand die spielerische Lösung zum Satzausgleich. Der Champions-Tiebreak war eine ausgeglichene Angelegenheit zwischen den beiden Franzosen, bis es in die Entscheidung ging. Zwei Doppelfehler von Hamou beim Stande von 10:10 und damit wurde die Führung ausgebaut. Die Frage die jetzt die Runde auf der Anlage machte: Holen wir im letzten Einzel den fünften Punkt zum vorzeitigen Sieg? Die Voraussetzungen waren nicht die allerbesten, denn Lucas Bouquet kassierte bei seinen bisherigen Einsätzen nur Niederlagen.

Doch an diesem Sonntag war es anders. Zum einen hatte sich der 24-jährige Franzose einen neuen kurzen Haarschnitt zugelegt, so dass der an Nummer fünf aufgebotene Tennisprofi wie verwandelt spielte. Allerdings wollte sich der Belgier Yannick Vanderbulcke nicht so einfach geschlagen gaben und nach je einem Satzgewinn auf beiden Seiten musste auch hier der Champions-Tiebreak die Entscheidung bringen. Agierte in der Vergangenheit Lucas Bouquet vielfach zu zögerlich, zu uninspiriert und zu fehlerhaft, strahlte er diesmal geradezu großes Selbstvertrauen aus. 6:4, 3:6, 10:3-Sieg ließ ihn übers ganze Gesicht strahlen und mit seiner Hand strich er sich zur Freude der Zuschauer mehrfach über seine neue Frisur!

Team Hämmerling TuS Sennelager – THC Brühl 8:1 (5:1)
Einzel: Denolly, Corentin (FRA/ATP 548) – Sanchez-Izquierdo, Nicolas (ESP) 6:4, 6:4, Cagnina, Julien (BEL/1067) – De Schepper, Kenny (FRA) 6:2, 7:5, Cornut-Chauvinac, Antoine (FRA/844) – Hamou, Maxime (FRA/958) 6:4, 3:6, 12:10, Perez, Alfredo (USA/598) – Barreto Sanchez, Diego (ESP/722) 6:2, 7:6(3), Bouquet, Lucas (FRA/874) – Vandenbulcke, Yannick (BEL/—) 6:4, 2:6, 10:3, Henning, Benedik (GER/11793) – Carli, Christian (ITA/—) 0:6, 7:6(4), 9:11. Doppel: Denolly/Cagnina – Sanchez-Isquierdo/De Schepper 6:4, 7:5, Cornut-Chauvinac/Pel – Hamou/Vandenbulcke 6:4, 7:6(1), Perez/Bouquet – Carli/Lampe, Nies. 6:4, 6:1. Zuschauer: 400