Mit einem 3:3-Unentschieden, nach 1:3-Rückstand aus den Einzeln, gegen den fünffachen Deutschen Mannschaftsmeister Kurhaus Lambertz Aachen feierten frenetische 1.300 Zuschauer den Klassenerhalt und wildfremde Menschen lagen sich in den Armen.

Es gibt eine Geschichte, die immer wieder gerne erzählt wird, wenn ungleiche Voraussetzungen aufeinander treffen. Die Protagonisten Asterix und Obelix lebten 50 Jahre vor Christus in einem kleinen Dörfchen in Gallien und haben sich immer wieder gegen die kriegslustigen übermächtigen Römer unter Julius Cäsar zur Wehr setzen müssen. Doch denen gelang es nie, sie zu besiegen. Doch was hat das mit der 1. Tennis-Bundesliga der Herren zu tun? Natürlich nichts! Vergleicht man allerdings den aus dem Paderborner Vorort stammenden TuS Sennelager mit seinen 80 Vereinsmitgliedern mit den Übrigen Clubs in der Eliteliga des nationalen Mannschaftstennissports, so kann einem dieser Vergleich schon in den Sinn kommen. Nach sieben Aufstiegen in Folge befand sich der sportliche Nobody als Team Hämmerling TuS Sennelager dann plötzlich in der 1. Tennis-Point Bundesliga und trat die sportliche Herausforderung an.

Sennelager Festspiele: Freibier für alle

Den 10. August 2019 werden sich nun so manche Tennis-Teammanager im Kalender rot anstreichen müssen, denn an diesem 8. Spieltag vollzog sich eine faustdicke ostwestfälische Überraschungs-Story. Mit einem 3:3-Unentschieden, nach 1:3-Rückstand aus den Einzeln, feierten 1.300 Zuschauer frenetisch den Klassenerhalt und wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. Als dann auch noch Matthias Wittig (1. Abteilungsvorsitzender TuS Sennelager) die Parole >Freibier ausrief, begannen die >Sennelager Festspiele< auf der Anlage beim Paderborner TC Blau-Rot. „Es ist für Außenstehende sicherlich schwerlich nachzuvollziehen, was wir erreicht haben“, so Ralf Hämmerling, „doch wir, die für die Mannschaft verantwortlich sind, haben immer an die Realisierung unsers Traums vom Klassenerhalt geglaubt. Wir waren überzeugt, dass wir mit unserer Mentalität dass schaffen werden, denn ansonsten hätten wir den Aufstieg ja nicht annehmen müssen.“

Zittern bis zuletzt

Allerdings schien an diesem Samstag das Duell gegen die Kaiserstädter alles wieder unwirklich werden zu lassen. Lediglich der 25-jährige Norbert Gombos (ATP 118) konnte sein Einzel gegen den zuletzt im schweizerischen Gstaad mit der Finalteilnahme so erfolgreichen Cedrik-Marcel Stebe (ATP 258) in drei Sätzen gewinnen. Ansonsten verlor Frederico Ferreira Silva (ATP 277) glatt in zwei Durchgängen gegen Carlos Taberner (ATP 347), Ivan Gakhov (ATP 341) vergab zwei Matchbälle gegen Martin Cuevas (ATP 400), und Arthur Rinderknech (ATP 319) hielt gegen den deutschen Davis-Cup-Spieler Tim Pütz (ATP-Doppel 65) bestens mit, aber der Gewinn der Match-Tiebreaks entschied das Duell zugunsten des gebürtigen Frankfurters.

Und immer wieder stechen die Doppel

Doch Sennelager hat exzellente Doppelspieler und Taktikfuchs Marius Kur schickte das französische Duo Arthur Rinderknech/Manuel Guinard und die polnisch-niederländische Paarung Jan Zielinski/David Pel auf die Courts. Als die beiden Franzosen in einem unglaublichen Match die Zuschauer in einem emotionalen Begeisterungszustand versetzte, die Partie mit 7:5, 6:4 gegen Cuevas/Pütz gewann, forderte der 24-jährige Rinderknech die Zuschauer gestenreich auf, mit ihnen zur nebenan noch laufenden Begegnung Zielinski/Pel gegen Taberner/Langer mitzukommen. Als auch hier mit lautstarker Unterstützung des Publikums diese Partie mit 7:6(4), 6:2 zu Gunsten der Hausherren entschieden wurde, stand ein Punktgewinn für den Ligadebütanten fest.

Zum Saisonabschluss nach Köln

„Das reicht uns aber nicht“, so ein stets zurückhaltende Marc Renner und meinte, „denn Weinheim holte noch einen Punkt in Düsseldorf und mir müssen Sonntag nach Köln.“ So das Abstiegsszenario des Teamchefs um 18.22 Uhr, doch zwei Minuten später lautstarker Jubel rund um den Court. Via Liveticker wurde das Duell der Kurpfälzer in der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt verfolgt und zwei Minuten später stand mit dem 4:2-Sieg des Irmler-Teams die sportliche Zukunft der Ostwestfalen fest: Team Hämmerling TuS Sennelager spielt in der Saison 2020 in der 1. Tennis-Point-Bundesliga und die Klassenverbleibs-Fete auf der Anlage an der Hermann-Kirchhoff-Straße nahm seinen Lauf.

Großer Jubel beim ostwestfälischen Neuling Team Hämmerling TuS Sennelager über den Ligaverbleib in der 1. Tennis-Point Bundesliga. © Agentur Klick

Den Klassenerhalt des Team Hämmerling TuS Sennelager bewerkstelligten (stehend von links) Frederico Ferreira Silva, Ivan Gakhov, Philipp Scholz, David Pel, Norbert Gombos, Arthur Rinderknech, Jonas Kell (Physiotherapeut), Marius Kur (Coach) sowie (kniend von links) Louis Dietze, Julius Hillmann, Carlos Ramierz Uttermann, Manuel Guinard, Dragos Dima, Jan Zielinski, Marcin Matkowski und Teamchef Marc Renner. Im Kreis von links oben: Antoine Hoang, Alexey Vatutin und Jozef Kovalik. © Agentur Klick