Interview mit Hauptsponsor Ralf Hämmerling

Unternehmer Ralf Hämmerling, Hauptsponsor des Tennis-Bundesligisten Team Hämmerling TuS Sennelager, und HTC-Vorsitzender Daniel Didier (rechts) sind mit der vergangenen Saison 2022 sportlich sehr zufrieden. © HTC_Ralf Meier

Paderborn. Am vergangenen Wochenende endete die Saison 2022 in der 2. Tennis-Bundesliga Gruppe Nord der Herren, die vom Team Hämmerling TuS Sennelager mit dem 4. Tabellenplatz sportlich sehr erfreulich abgeschlossen werden konnte. Unisono bewerten sowohl Marc Renner als TuS-Kaderplaner, Chefcoach Ewald Spaaij und HTC-Vorsitzender Daniel Didier die Meisterschaftsrunde als einen Erfolg auf ganzer Linie. Dies bezieht sich sowohl auf die Anlage des Hövelhofer Tennis-Club Blau-Weiß (HTC), auf den Zuschauerzuspruch und auf die öffentliche Wahrnehmung. Wie der 65-jährige Paderborner Unternehmer Ralf Hämmerling die Saison bilanziert, hat Sportjournalist Frank Hofen (hofmedia Kommunikation/VDS) in einem Interview nachgefragt.

? Die Saison ist vorbei. Wie fällt denn Ihre Bilanz aus.
Ralf Hämmerling: Über die gesamte Saison hinweg betrachtet, bin ich zufrieden. So gab es überraschende Erfolge, aber auch bittere Niederlagen. Vor allem die vor eigenem Publikum, das war schon ärgerlich. Aber letztlich auch der personellen Situation geschuldet. Wie spielerisch stark wir hätten sein können, zeigten die zuletzt gezeigten Auftritte mit unseren auf den vorderen Plätzen gemeldeten Spielern. Bundesliga und Turniere passen nicht immer zusammen.

? Ihre Mannschaft war schon 2018 in der 2. Liga. Heuer wieder. Hat sich da etwas verändert.
Ralf Hämmerling: An der Struktur nicht, aber am spielerischen Potential. Die Liga ist spielerisch stärker geworden, weil die Erstligaambitionierten Clubs wie Aachen, Köln und Versmold wesentlich mehr ins Personal investiert haben: Spielstärkere Profis, breiterer Kader und ausgeglichenere Mannschaften.

? Das Team war gegenüber der letzten Erstliga-Saison personell runderneuert. War es ein Team.
Ralf Hämmerling: Es gibt ja vor der Saison keine Zeit, die Mannschaft zusammen zu holen, um Teamgeist zu leben. Allerdings hat sie sich im Lauf der Saison gefunden und unterstützt. Das konnte man am Rande der Matches sehen, wie sie sich gegenzeitig geholfen hat. Das zu erkennen zeigt, dass wir – was im letzten Jahre gefehlt hat – auf dem richtigen Weg sind.

? Gibt es Spieler die Sie überzeugt haben.
Ralf Hämmerling: Es ist immer ein wenig problematisch, den einen oder anderen Spieler hervorzuheben. Festzuhalten ist, dass sich David Pel, der bei uns seit 2018 spielt und mit uns aufgestiegen ist, sich immer in den Dienst der Mannschaft stellt. Er ist immer da, wenn man ihn braucht. Auch als sechster Einzelspieler, ob wohl er nur noch Doppel spielt. Er ist ein echter Teamplayer. Was mich auch erfreut, ist das Engagement von Antoine (Cornut-Chauvinc Anm. Redaktion), der bis zum allerletzten Ball fightet und sein Herz auf dem Court lässt. Egal wie der Spielstand ist.

? Es gab eine Neuaufstellung des Teams hinter dem Team. Will fragen: War Ewald Spaaij die erhoffte professionelle Führung.
Ralf Hämmerling: Da sei schon einmal gesagt: Dieses Engagement von Ewald war außergewöhnlich. Ich will gar nicht wissen, wie viele hunderte Telefonate er in der Woche immer geführt hat, um eine Mannschaft zusammen zubekommen. Er arbeitet sehr strukturiert, ohne hektisch zu werden und sehr professionell.

? Ist die 2. Bundesliga überhaupt ein Unterbau zur 1. Tennis-Bundesliga.
Ralf Hämmerling: Meiner Einschätzung nach nicht. Alleine schon die unterschiedlichen Kader, die größere Anzahl der Matches mit sechs Einzel und drei Doppel. Der Spieltag ist zu lang und sehr medienunfreundlich. Zudem werden die jeweils hintereinander stattfindenden Spieltage von Freitag und Sonntag geradezu in fünf Wochen durchgepeitscht und ehe die Öffentlichkeit die Liga wahrgenommen hat, ist die Saison schon wieder beendet. Und warum gibt es in der Nord-Gruppe neun und in der Süd-Gruppe zehn Mannschaften? Dadurch hat im Norden immer ein Team spielfrei und das ist wettbewerbsverzerrend.

? Sechser-Mannschaften erfordern auch größere Kader. Müsste das nicht strukturell an die 1. Liga angepasst werden.
Ralf Hämmerling: Unbedingt. Ich weiß nicht, warum sich zum Beispiel der Westfälische oder Deutsche Tennis Bund nicht mit diesem Thema beschäftigt. Ich glaube vielmehr, die Bundesliga interessiert die Verbände überhaupt nicht. Zudem wären Vierer-Mannschaften auch kostengünstiger. Zum Beispiel bei Reisen oder Hotelübernachtungen. Was sich doch in der ersten Bundesliga bewährt hat, warum wird das nicht umgesetzt in einen vernünftigen Unterbau? Hier sind aber auch die Zweitliga-Vereine gefordert, entsprechende Veränderungen einzufordern.

? Dass sportliche Ziel war im oberen Drittel der Tabelle zu landen. Sie sind nun vierter geworden. War da nicht noch mehr drin?
Ralf Hämmerling: Wir wollen mal nichts überstürzen. Unser Ziel war der Klassenerhalt und gewünscht haben wir uns einen oberen Tabellenplatz. Da ist dann auch tatsächlich so eingetreten. Wir sind schon der Meinung, wenn wir den einen oder anderen Spieler mehr aus unseren ersten Kaderpositionen mehr gehabt hätten, dass dann auch mehr drin gewesen wäre. Aber, man muss auch bedenken, dass die Tennisprofis in erster Linie von den Turnieren leben. Erst dann kommt Tennis-Bundesliga und bei mehr Dabeisein müssen wir uns auch immer nach dem richten, was unser Etat hergibt.

? …angesichts Ihres Drei-Jahreskonzept müssten Sie daher im Plan liegen.
Ralf Hämmerling: Genauso ist es. Wir wollen uns kontinuierlich weiterentwickeln und dabei ein Team formen, das auch unseren Teamspirit verkörpert. Das ist uns bekanntlich in der Folge mit den sieben Aufstiegen aus der Bezirksklasse bis in die 1. Tennis-Bundesliga auch gelungen. Und daran wollen wir anknüpfen.

? Auch bei der Akquise der Sponsoren.
Ralf Hämmerling: Ich gehe einmal davon aus, dass diese Möglichkeiten in unserer Paderborner Region noch nicht ausgeschöpft sind. Auch hier sind wir bestrebt, unserer Tennisprodukt Team Hämmerling in Hövelhof präsenter und breiter aufzustellen.

? Sie sind immer dicht bei den sogenannten Geldgebern. Wie waren deren Reaktionen.
Ralf Hämmerling: Überwiegend positiv. Wir haben unsere Heimspiele als kleine Events veranstaltet, mit entsprechender Gastronomie und das ist angekommen. Man muss aber auch festhalten, dass die Anlage des Hövelhöfer Tennis-Club Blau-Weiß ein Schmuckstück ist. Und wenn man sieht, wie publikumsgerecht die drei Courts gestaltet worden sind, so ist das schon bemerkenswert. Dieses Streben nach Verbesserung sehen auch die Sponsoren. Und wenn die sich wohlfühlen, wirkt sich das auch auf deren Sponsoring aus.

? Es gab viele positive Begleiterscheinungen während der Saison. So zum Beispiel der Zuschauerzuspruch.
Ralf Hämmerling: Wir haben mit knapp 500 Zuschauern bei den Heimspielen eine ordentliche Kulisse gehabt, wobei das Publikum auch emotional immer sehr gut mitgegangen ist. Das haben auch die Spieler bemerkt und ich glaube, so mancher Einzelerfolg ist auch darauf zurückzuführen. In der Zuschauergunst liegen wir in der 2. Liga ganz vorne, noch vor dem Aufsteiger aus Versmold. Ich finde es im Übrigen bemerkenswert, das sowohl der Bürgermeister von Hövelhof als auch der aus Paderborn bei Heimspielen zu Gast war.

? Der Standort Hövelhof ist auch für die nächste Saison gesetzt.
Ralf Hämmerling: Keine Frage. Lassen sie es mich so sagen: Wir sind Freunde geworden und haben zusammen Freude an unserem Engagement.

? …und die Anlage des Hövelhofer Tennis-Club Blau-Weiß ist sowieso Erstligareif.
Ralf Hämmerling: Mit dieser Platzanlage brauchen wir uns nicht verstecken. Selbst die Berliner des LTTC, die mit dem Steffi-Graf-Stadion eine 7.000 Zuschauer-Anlage haben, fanden unser Ambiente lobenswert. Sie waren überrascht, wie liebevoll alles hergerichtet ist.

? Bemerkenswert ist das persönliche Engagement des Teams um den HTC-Vorsitzenden Daniel Didier. Außergewöhnlich, wenn man bedenkt, dass Sie dort nur Gast sind.
Ralf Hämmerling: Er ist zweifelsohne der Motor. Aber ein Rad alleine kann nichts erreichen, wenn die anderen Räder nicht ineinandergreifen. Er hat ein tolles Vorstandsteam, da packt jeder an und das ergibt dann diese positive Darstellung des HTC in der Öffentlichkeit.

? Sie denken ja immer strategisch. In Ihrem Unternehmen sowieso. Gilt dies auch für das Team Hämmerling.
Ralf Hämmerling: Aber selbstverständlich. Daher haben wir ja ein Drei-Jahres-Konzept entwickelt, damit wir in überschaubaren Schritten unsere Ziele umsetzen können.

? …schon einen Gedanken an die Saison 2023 verschwendet.
Ralf Hämmerling: Nein. Ich habe mir nur darüber Gedanken gemacht, wann ich zu welchem Zeitpunkt alle ehrenamtlichen Helfer des Projekts 2. Tennis-Bundesliga zu einem Dankeschön-Abend einladen soll. Das ist mir sehr wichtig, dass wir uns entsprechend bei denen bedanken. Alles andere kommt dann danach, das habe ich schon mit den Verantwortlichen besprochen.

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft, denn wir leben aktuell in unruhigen Zeiten!