Chefcoach Ewald Spaaij im Interview

Hämmerlings neuer Chefcoach Ewald Spaaij (rechts) ist eine kommunikativer Mensch, der immer das Gespräch sucht, wie hier mit Hauptsponsor Ralf Hämmerling. ©HTC (Ralf Meier)

Der erfahrene Niederländer kennt sich im Welttennis bestens aus. Er hat internationale Spielerinnen und Spieler vom Juniorenalter bis in den Profibereich unter die Top 50 gecoacht. War für den Niederländischen Tennisverband tätig und zuletzt Headcoach beim Weißrussischen Tennisverband. Mit Ausbruch des russischen Krieges und der Solidarität von Belarus für Russland war sein Engagement beendet und hat letztjährig ein neues Kapitel in Paderborn aufgeschlagen. Für Ewald Spaaij ist die Tennis-Bundesliga eine neue Herausforderung und dazu hat ihn der Pressesprecher des Teams Hämmerling TuS Sennelager befragt.

? Welchen Eindruck hatten sie bisher als Außenstehender von der deutschen Bundesliga.
Ewald Spaaij: Ich habe vor über 20 Jahren die 1. Bundesliga Damen in Hildesheim gemacht. Schon damals habe ich gesehen, dass alles sehr gut organisiert ist und dass die Spieler wie echte Vereinsspieler behandelt werden. In Hövelhof habe ich das auch gesehen.

? Gibt es eine ähnliche Mannschaftstruktur in anderen Ländern.
Ewald Spaaij: Ich habe nur Erfahrungen mit der Liga in den Niederlanden. Das ist die einzige Liga in der Welt, bei dem auch Mixed-Doppel gespielt werden. Also Damen und Herren in der gleichen Mannschaft und die Mixed-Doppel werden als die letzten Spiele des Tages ausgetragen. Dieser Wettbewerb findet in zweieinhalb Wochen statt und endet mit einem Finalwochenende.

? Finden in Belarus ebenfalls Mannschaftswettbewerbe statt.
Ewald Spaaij: In Belarus werden keine Mannschaftswettbewerbe ausgetragen. Als Tennisspieler braucht man dort nur Partner zum Training oder für die Doppel bei Turnieren. Es gibt aber auch nicht viele private Clubs, denn die meisten werden vom Staat oder von der Gemeinde verwaltet.

? Persönliche Spielerbetreuung ist etwas anderes als Teamcoaching. Was hat sie am meisten überrascht?
Ewald Spaaij: Teamcoaching ist auch Einzelcoaching. Eine Mannschaft besteht aus Einzelspielern, die ein Einzel und ein Doppel spielen. Im Einzel kann ich einen Spieler nur beeinflussen, wenn er dafür offen ist. Das ist das taktisch-mentale Coaching. Wenn ein Spieler eine negative Emotion hat, ist es meine Aufgabe, ihn da herauszuholen. Bei einem Doppelspiel muss die Chemie zwischen den Spielern stimmen. Ich versuche mich da rauszuhalten. Von außen betrachte ich das Spiel und gebe positives Feedback.

? Wie schätzen sie das sportliche Leistungsniveau ein.
Ewald Spaaij: Das ist noch schwer einzuschätzen. Wir hatten bisher nur einen Spieltag mit einem guten Ergebnis für uns. Erst nach dem dritten Spieltag wird sich zeigen, wo das Team Hämmerling TuS Sennelager steht. Wenn die Spieler, die auf der Liste der großen Klubs stehen, immer spielen, haben wir absolut keine Chance unter die ersten drei in der Tabelle zu kommen. Aber man weiß nicht ob diese Spieler immer dabei sind. Und vergessen sie nicht, dass Corona auch noch einen großen Einfluss auf die Ergebnisse haben kann.

? …und das vom Team Hämmerling TuS Sennelager.
Ewald Spaaij: Wie gesagt, normalerweise wäre ein Platz vier oder fünf für uns ein gutes Endresultat.

? Am letzten Sonntag haben sie erstmals gecoacht. Was waren die Herausforderungen.
Ewald Spaaij: Die größte Herausforderung bestand darin, den Spieler zu sagen, was gut lief und was verbessert werden musste. Da wir uns erst seit kurzer Zeit kennen, steht es mir nicht zu, zu bestimmen wie ein Spieler spielt. In diesem Moment bin ich also der fragende Coach, der gut zuhört und oft eine Frage mit einer Gegenfrage beantwortet. Wenn der Spieler seine Fragen selbst beantworten kann (mit ein wenig Anleitung), kann er sich selbst coachen. Das ist der größte Gewinn, der erzielt werden kann.

? Das Konzept Team Hämmerling ist auf drei Jahre angelegt. Muss man da als Perspektive nicht die 1. Liga im Blick haben.
Ewald Spaaij: Mein oberstes Ziel ist es auf höchstem Niveau zu arbeiten. Also 1. Bundesliga. Da wir jetzt eine neue und junge Mannschaft haben, müssen wir sehen wie groß das Potenzial dieser Mannschaft im Hinblick auf einen möglichen Aufstieg in den kommenden Jahren ist. Werden die Spieler bleiben? Können die Spieler hier gut trainieren, wenn die Bundesliga zu Ende ist? Was werden die Sponsoren tun? Es muss eine klare Politik sowohl für die sportliche als auch für die finanzielle Seite geben. Darüber werde ich nach der Saison mit Ralf Hämmerling und anderen sprechen. Ich habe einige Ideen, wie wir das strukturell einrichten können.

? Ist das reizvoll für sie.
Ewald Spaaij: Aber klar. Wie gesagt, für mich wäre es möglich hier in Hövelhof mit dem Team Hämmerling etwas aufzubauen und zu einer Tennisbastion zu führen. Warum nicht?

? Abschließend ihr Tipp: In Bremen siegreich und am Saisonende auf welchem Rang.
Ewald Spaaij: Wir müssen wieder ein gutes Ergebnis erzielen. Freitags zu spielen schafft aber auch Probleme, weil unsere Spieler gute Leistungen in Turnieren erbringen. Am Freitag werden stets die Viertelfinals gespielt und normalerweise stehen unsere Spieler in diesen. Wir müssen dann die Aufstellung so anpassen, dass wir mit der stärksten Aufstellung in der Breite spielen können. Am Saisonende unter den Top 3 zu stehen, wäre ein großer Erfolg für uns alle.

Wünsche ihnen viel Spaß beim weiteren Team-Coaching und eine erfolgreiche Saison!