Die ostwestfälischen Duos Hoang/Rinderknech & Kovalik/Pel holen das Unentschieden

Großhesselohe. Was dieses 3:3 und der damit verbundene Punktgewinn beim TC Großhesselohe wert sein kann, wird man voraussichtlich erst am kommenden Sonntag – nach dem letzten Spieltag – abschätzen können. Aktuell bedeutet er zumindest, dass das Team Hämmerling TuS Sennelager weiterhin mit einem Zähler Vorsprung vor dem ebenfalls letztjährig aufgestiegenen bayerischen Südmeister in der Tabelle liegt. Zahlenmäßig heißt das, die Ostwestfalen bleiben mit einem 6:8-Punktekonto vor dem heutigen Gastgeber mit 5:9 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz. Allerdings geht es sehr eng im Tabellenkeller zu, denn fläsh TC Weinheim hat überraschenderweis mit 4:2 beim Kölner THC Stadion Rot-Weiss gewonnen und ebenfalls einen Punktestand von 5:9. Die Kurpfälzer sind somit Tabellen-Achter. Durch die Niederlage sind die Domstädter (4:10 Punkte) nun auf einen Abstiegsplatz abgerutscht und Tabellenletzter ist weiterhin Blau-Weiß Aachen. Die schlugen sich zwar achtbar auf eigener Anlage gegen den Spitzenreiter BW Timberland Finance Krefeld, hatten nach den Einzeln ein 2:2, unterlagen aber letztlich mit 2:4 und tragen mit 0:14 Punkten weiterhin Schlusslicht der Tabelle.

Das verdiente Unentschieden des Teams Hämmerling TuS Sennelager geht auf die großartige Leistung der beiden ostwestfälischen Duos Antoine Hoang/Arthur Rinderknech und Jozef Kovalik/David Pel zurück, wobei – ohne die Leistungen der jeweiligen Partner zu schmälern – die Verlierer der Einzelpartien unbedingt alles wieder gut machen wollten. Die Resultats-Verbesserung gelang am schnellsten der slowakisch-niederländischen Paarung, wobei ein ausgeruhter David Pel mit seinen fast 2,0 Metern der führende Akteur war. Ihr 7:6(5), 6:4-Erfolg gegen MatthiasBachinger/Lucas Miedler ließ Hoffnungen aufkommen, doch noch etwas Zählbares aus München mitzunehmen. Generell ist festzuhalten, das spielerische Niveau in den beiden Doppelpartien war enorm hoch und einmal mehr bewiesen die Renner-Teams an diesem Tage ihre Erstligatauglichkeit.

Zum gezeigten Können gesellte sich auch noch ungeheure Spannung, denn der Doppelsieg der beiden im ersten Doppel aufgestellten Sennelager-Franzosen war nach zwei Sätzen greifbar nahe. 6:4, 5:4 und eigener Aufschlag, was sollte da noch schief gehen? In diesem zweiten Satz alles, denn trotz der drei Matchbälle kam es zum Satzausgleich. Mehr aber auch nicht. Das Sennelager-Gespann zeigte Moral und Siegeswillen und der letztlich verdiente 6:4, 5:7, 10:5-Sieg sorgte für große Freunde bei den Ostwestfalen. „Vor der Saison haben wir mit zwei Punkten gerechnet“, so ein strahlender 24-jähriger Rinderknech, „jetzt haben wir bereits sechs. Das ist unglaublich.“ Am Ende des Tages gab sich auch Teamchef Marc Renner wieder versöhnlich: „Unsere Einzel waren nicht gut, dass muss man kritisch anmerken. Was sie aber im Doppel gezeigt haben, ist nur mit großartig zu beschreiben.“

 Auch wenn im Vorfeld der Partie über die Formation der Gastgeber ein Mantel des Schweigens gelegt wurde, lediglich den Namen Florian Mayer hatten die Münchner gelüftet, gab es bei der Abgabe der Mannschaftsaufstellung um 10.30 Uhr am Sonntagvormittag auf Seiten der Hausherren keine Überraschung. „Damit haben wir gerechnet“, sagt Marc Renner, der seine vermeintlich beste Formation aufgeboten hatte: „Mehr geht personell bei uns nicht.“ Namentlich ist dem Teamchef beizupflichten, sportlich reichte es aber zunächst nicht. Nach etwas mehr als drei Stunden Spielzeit lagen die Ostwestfalen nach den vier Einzeln mit 1:3 im Hintertreffen.

Dabei begann die Auseinandersetzung beim Mitaufsteiger aus Sicht des Teams Hämmerling recht zuversichtlich, denn nach den ersten beiden Einzeln stand es zwischenzeitlich 1:1. Der 25-jährige Österreicher Dennis Novak (ATP 119) gewann ebenso verdient seine Partie mit 6:1, 6:4 gegen an den an Nummer eins spielenden Slowaken Jozef Kovalik (ATP 326), wie im parallel laufenden Match der für Sennelager angetretene Russe Alexey Vatutin (ATP 199). Der aus Wolgograd stammende 26-Jährige siegte überzeugend mit 6:1, 6:4 gegen den aus der Steiermark stammenden Sebastian >Ofi< Ofner (ATP 167).

Damit war aber das Kontingent der TuS-Siege ausgeschöpft, obwohl sicherlich mehr drin gewesen wäre. Sennelagers an Nummer vier eingesetzter Franzose Manuel Guinard (ATP 332) traf auf den deutschen Altmeister Florian Mayer, der im vergangenen Jahr seine internationale Karriere beendet hat. Der heute 35 jährige Bayreuther, auf dem Zenit seiner sportlichen Laufbahn die Nummer 18 der Welt, verlor zwar den ersten Satz gegen seinen 13 Jahre jüngeren Kontrahenten, aber auch nur den. Routine und Erfahrung kann Guinard in dem Alter nicht haben, aber davon hat der Gerry-Weber-Open-Sieger des Jahres 2016 unglaublich viel. In seiner ihm unnachahmlichen Ruhe beeindruckte ihn der Satzverlust in keiner Phase und je länger das Match andauerte, umso leichter kam Mayer zu Punkten. Allerdings weiß man nicht wie letztlich das Duell ausgegangen wäre, denn im ersten Satz beim 3:3 – bis dahin spielte Guinard sein wohl bestes Tennis – knickt er mit dem rechten Fuß um. Folglich war er, wenn auch nicht sichtbar, spielerisch gehandicapt und fand nicht mehr in sein Match zurück. Die 6:4, 1:6, 3:10-Niederlage war folge dessen das Resultat.

Für den zweiten Franzosen im Aufgebot des TuS Sennelager, Antoine Hoang (ATP 109), verlief das Duell anders herum. Der 23-jährige Tennisprofi aus der südfranzösischen Stadt Aix-en-Provence, der mit seiner ATP-Platzierung an den Top 100 der Welt sein derzeit bestes Ranking hat, traf auf den neun Jahre älteren Matthias Bachinger (ATP 125). Der gebürtige Münchner, schon einmal als Nummer 85 der Welt notiert, gewann recht schnell den ersten Satz. In dieser Phase war Hoang anzumerken, dass er bereits auf Hardcourt trainiert und sich so auf seine US-Turnierreise in die Staaten vorbereitet. Seine jetzige Umstellung auf Asche dauerte so seine Zeit, was dann aber im Verlaufe der Partie mit dem Gewinn des zweiten Durchganges zählbar wurde. Doch so ganz fand Antoine Hoang seinen Spielrhythmus nicht. Hinzu kam sein schlechtes Aufschlagspiel und zahlreiche ungenutzte Breakchancen, so dass am Ende – nach drei abgewehrten Matchbällen – der Münchner doch noch zu einem 6:2, 2:6, 12:10-Dreisatzsieg kam.

Das Hämmerling-Duo David Pel (links) und Jozef Kovalik hatte mit einem Zweisatzsieg maßgeblichen Anteil am Unentschieden der Ostwestfalen beim TC Großhesselohe.
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