Nach dem Sieg am Freitag in Aachen folgt der nächste Paukenschlag mit 4:2 in Weinheim
Weinheim. Ohne den selbsternannten Experten und Fachleuten zu nahe treten zu wollen, mit diesen Paukenschlägen war in der 1. Tennis-Point Bundesliga der Herren nicht zu rechnen. Dass sich Teams wie der Titelverteidiger Grün-Weiss Mannheim, BW Timberland Finance Krefeld oder Badwerk Gladbacher HTC an der Tabellenspitze behaupten würde, daran zweifelte niemand. Dass aber ein Nobody des nationalen Mannschaftssports sich in die positiven Schlagzeilen spielen würde, war nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Als sich das Team Hämmerling TuS Sennelager, wo ist das denn wurde immer wieder gefragt, nach seinem siebten Aufstieg in Serie plötzlich in der Eliteliga wieder fand, zog so mancher Kontrahent die Augenbrauen hoch. Na ja, ein Jahr und dann wieder tschüss. Zumal der Namens- und Hauptsponsor Ralf Hämmerling lediglich mit einem Etat von 100.000 Euro diese Vorhaben anging, dafür aber fast gebetsmühlenartig von Teamgeist sprach der alles möglich machen kann, was vielfach müde belächelt wurde.
Spätestens an diesem sonntäglichen 28. Juli, dem siebten Spieltag der Liga, muss die sportliche Geschichte der Paderborner neu bewertet werden. Nach dem 5:1-Sieg in Aachen folgte am heutigen Sonntag ein 4:2-Erfolg und so muss man sich die Augen gleich zweimal reiben, denn das Team Hämmerling TuS Sennelager rangiert auf dem sechsten Tabellenplatz. Mit einem Punkt Vorsprung von dem TC Großhesselohe und dem Kölner THC Stadion Rot-Weiss. Den heutigen siegbringenden vierten Punkt steuerte im Doppel das Duo Hoang/Zielinski mit einem souveränen Zweisatzsieg (6:3, 6:1) gegen Fabbiano/Vanni bei, das zweite Sennelager-Gespann Rinderknech/Guinard unterlag mit 6:2, 4:6, 3:10 Arnaboldi/Wintermantel, so dass letztlich Oberschiedsrichter Carsten Krumm die >Hämmerlinger< mit einem zweiten Gesamtsieg in Folge auf die Heimreise schicken konnte. „Wir haben in zwei Spielen Big-Points gemacht“, so Teamchef Marc Renner“, und mit fünf Pluspunkte können wir jetzt entspannter die nächsten Herausforderungen angehen.“
So ruhig wie Renner die Begegnungen analysiert, so wenig aufgeregt scheint auch der Aufsteiger seine Aufgaben zu lösen, denn der Spieltag in Weinheim begann für die Ostwestfalen fast so ähnlich wie am Freitag bei Blau-Weiß Aachen. Während in der alten Kaiserstadt nach Beginn der beiden Einzel auf Grund von Regen und Gewittern die Partien unterbrochen werden musste, ging in der Kurpfalz bei Spielbeginn um 11.00 Uhr gar nichts. Auch hier setzten zunächst kräftige Regenschauer die Plätze unter Wasser, so dass erst zwei Stunden später die Begegnung starten konnte. Und die Analogie vom letzten Spieltag in Aachen konnte fortgeschrieben werden. Abermals hatte sich das Team Hämmerling TuS Sennelager nach vier Einzeln eine 3:1-Führung erspielen können, gegen einen Kontrahenten, der ebenfalls gegen den Abstieg zu kämpfen hat. Einmal abgesehen von den miserablen Wetterbedingungen, gab es zudem personelle Probleme im Team von Marc Renner. Der bis dato so spielstarke Franzose Arthur Rinderknech hatte Oberschenkelprobleme und blieb zunächst draußen. Ebenfalls nur Zuschauer war der Portugiese Federico Ferreira Silva, dem die Adduktoren zu schaffen machten.
Ob auf dem Court, oder am Rande der Aschenplätze, der Bundesliga-Aufsteiger Sennelager sorgt derzeit für beste Unterhaltung. Nach dem verspäteten Beginn mussten zunächst Jan Zielinski und Alexey Vatutin (ATP 201) auf die rote Asche und der 21-jährige Warschauer hielt gegen den fünf Jahre älteren Renzo Olivo (ATP 259) recht gut mit. Bis zum Stande von 5:5. Als der Pole beim Aufschlag seines Kontrahenten, aber eigener 40:0 Führung das Break nicht nach Hause bekam, war sozusagen das Match gelaufen. Der gebürtige argentinische Davis-Cup-Spieler mit italienischem Pass gewann dann überzeugend mit 7:6(3), 6:2. Dass dies der einige Einzelpunkt sein würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt auf Seiten der Gastgeber niemand. Hoffnung auf mehr kam beim TC Weinheim auf, denn Andrea Arnaboldi, der in der Bundesliga bereits für Wacker Burghausen und dem 1. FC Nürnberg gespielt hat, holte sich den ersten Satz gegen Alexey Vatutin. Doch der Mann aus Wolgograd stellte danach sein Spiel gegen den 31-jährigen Italiener um. Mit langen zermürbenden Slicebällen zeigte einmal mehr der 26-jährige Russe sein spielerisches Potential und der Dreisatzerfolg (4:6, 6:2, 10:3) brachte das zwischenzeitliche 1:1.
Recht zügig und erfolgreich ging es für den Tabellenachten aus Paderborn weiter, denn als nächstes stand der 23-jährige Manuel Guinard (ATP 339) auf dem Platz. Seine Herausforderung war der elf Jahre ältere Weinheimer Luca Vanni (ATP 246), der bereits schon zu den besten 100 Tennisprofis der Welt gehört hat. Auch dass der Italiener bereits sechs Challenger gewonnen und auch einmal in einem ATP World Tour-Event in Sao Paulo im Finale gestanden hat, beeindruckte den Mann aus Saint Melo – der bretonischen Küstenstadt mit dem größten Touristenzuspruch aller französischer Städte – nicht. Auch wenn der Franzose im ersten Satz hin und wieder leichtsinnig Vorteile verspielte, zog er letztlich sein Spiel durch und gewann deutlich mit 7:6(3), 6:2 die Partie.
Sehenswert war die abschließende Auseinandersetzung der beiden Spitzenspieler. Sowohl Thomas Fabbiano (ATP 90) als auch der erstmals auf Seiten Sennelagers eingesetzte Antonine Hoang (ATP 105) boten allerbesten Tennissport. Der 30jährige Italiener, in der vergangenen Woche noch im Viertelfinale des ATP Tour-Event von Gstaad gestanden, traf auf einen hochmotivieren Franzosen. Der war von seiner Turnierreise aus Kanada zum Team gestoßen und zeigte einmal mehr auf, dass er sich spielerisch enorm verbessert hat. Sein aktuelles ATP-Ranking an der 100er-Grenze gibt das auch in Zahlen her. Erfreulich dann im Match auch, dass er den ersten Satz knapp für sich entscheiden konnte. In der Folge steigerte sich der sieben Jahre älterer Gegner aber verdeutlich. Festzustellen war auch, dass er schon länger auf der Profitour agiert und mit einem glatten Satzgewinn konnte er den Ausgleich herstellen. Wer nun geglaubt hat, dass das Duell auf Grund der verbesserten Matchführung zu Gunsten der Weinheimer Nummer eins entschieden sei, der lag daneben. Antonine Hoang, der sich in früheren Zeiten vielfach selber unter Druck gesetzt hat, präsentierte sich als ein abgezockter Franzose. Selbst zwei Matchbälle im Champions Tiebreak gegen sich brachten ihn nicht aus der Konzentration. Um 16.44 Uhr nahm das Team Hämmerling sein 5:7, 6:3, 12:10-Sieg begeistert auf und mit einer 3:1 kamen große Hoffnungen auf einen zweiten Auswärtserfolg in der 1. Tennis-Point Bundesliga auf.

Am heutigen siebten Spieltag führte Antonine Hoang erstmals als Nummer eins das Team Hämmerling TuS Sennelager an und mit zwei Siege trug der Franzose maßgeblich zum Auswärtssieg bei fläsh TC Weinheim bei. © Agentur Klick