Gegen Krefeld war auch mehr möglich • Tabellenletzter ist nun Blau-Weiß Aachen

Paderborn. An den ersten drei Spieltagen in der 1. Tennis-Point-Bundesliga gab es für den Liga-Neuling Team Hämmerling TuS Sennelager immer wieder Lob für die gezeigten sportlichen Leistungen, doch dafür gab es keine Punkte. Es war für die Paderborner immer eine gewisse Genugtuung, dass man auf dem richtigen Weg in der neuen sportlichen Liga sei, doch unterm Strich standen drei Niederlagen und mit 0:6 Punkten das Tabellenende. Diese zuvor gesagten tröstenden Worte wurden an diesem Sonntag, dem vierten Spieltag (21. Juli), nach dem letzten Matchball belohnt. Zu Gast auf der Anlage des Paderborner TC Blau-Rot waren nicht nur die aufgestiegenen Erstliga-Fußballer des SC Paderborn, Leo Zingerle, Uwe Hünemeier, Christian Strohdieck und der SC-Vizepräsident sowie der stellvertretende Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Carsten Linnemann, sondern als sportliche Herausforderung der ungeschlagene Tabellenvierte BW Timberland Finance Krefeld.

Die Gäste vom Niederrhein hatten sich zweifelsohne mehr versprochen, doch diesmal hatten die gastgebenden Ostwestfalen das erforderliche Quäntchen Glück zum Teilerfolg. Aber es hätte auch mehr als nur ein Teilerfolg sein können, denn statt eines 3:3 (2:2) war vor 1.050 Zuschauern durchaus auch ein Sieg möglich gewesen. Doch auf Seiten des Hämmerling Teams trauerte man dem nicht länger nach, man freue sich vielmehr über den ersten Punktgewinn. Vor allem darüber, dass man die rote Laterne an Blau-Weiß Aachen weiterreichen konnte, dem nächsten Gegner am kommenden Freitag (26. Juli). Dann treffen in der Kurstadt die beiden Aufsteiger aufeinander. „Unserer Mannschaft kann ich nur ein großes Lob aussprechen“, sagt Ralf Hämmerling (Namens- und Hauptsponsor), „denn sie haben einmal mehr gezeigt, welch spielerische Möglichkeiten sie haben. Der Punktgewinn bestätigt, dass wir durchaus den Klassenerhalt schaffen können.“ Klassenerhalt war sowieso an diesem sommerlichen Sonntag das Thema, denn in der Talkrunde mit den Paderborner Bundesliga-Fußballern stand die Frage nach ihrem Verbleib in der ersten Fußball-Bundesliga im Vordergrund. Unisono fasst der Paderborner Bundestagsabgeordnete Linnemann dies in seinem Statement so zusammen: „Wir kommen als Mannschaft und setzten auf Teamgeist. Das hat uns letztlich den Aufstieg gebracht und was gelebter Teamspirit bewirken kann, sieht man am Beispiel der Tennis-Bundesliga-Mannschaft von Ralf Hämmerling. Die haben heute das erreicht, was wir auch immer erreichen wollen: Punkte gegen vermeintlich große Gegner.“

Gegenüber den ersten personellen Überlegungen in der vergangenen Woche hatten beide Teams dann doch noch eine spielstarke Nummer eins aufbieten können, was letztlich das gesamte Mannschaftsgefüge verschoben hat. Die Hausherren traten erstmals daheim mit dem Slowaken Jozef Kovalik (ATP 184) an, auf Seiten der Seidenstädter lief topgesetzt der Italiener Simone Bolelli (ATP 216) auf. Doch dieses Spitzenduell stand erst in der zweiten Runde an. Zunächst trafen der Rumäne Dragos Dima (ATP 326) und Rogerio Dutra Silva (ATP 228) sowie der erstmals in dieser Saison für den TuS Sennelager aufschlagende Russe Ivan Gakhov (ATP 361) und Andrea Collarini (ATP 316) aufeinander. Der 27-Jährige Krefelder Profi Collarini wird in der Meldeliste als Argentinier geführt, war aber – geboren in New York – bis zu seinem 21. Lebensjahr US-Amerikaner und spielt in der Bundesliga mit einem italienischen Pass. Das alles half ihm aber nicht, denn der in Moskau geborene und in Barcelona lebende Gakhov war die spielbestimmende Persönlichkeit.

Sein Zweisatzsieg (6:4, 6:2) brachte die Hausherren in Führung, doch fast zeitgleich gewann der Brasilianer Rogerio Dutra Silva sein Duell gegen den 27-jährigen Dragos Dima zu sehen. Großartige Ballwechsel mit unglaublicher Geschwindigkeit schossen die beiden Kontrahenten von ihren Grundlinien ins gegnerische Gegenüber, was von den Zuschauern immer wieder mit Szenenapplaus belohnt wurde. Das kann der kampfstarke Rumäne durchaus als tröstende Belohnung für seine Leistung ansehen, aber das Duell holte sich mit 6:2, 6:3 der aus Sao Paulo stammende brasilianische Krefelder.

Sehenswertes Tennis gab es auch in beiden folgenden Partien und mit jedem Ballwechsel mehr wuchs das Selbstvertrauen beim Aufsteiger. Jozef Kovalik, vor einem Jahr bereits die Nummer 80 der Welt, war nach seinem Qualifikationsaus in Hamburg in die ostwestfälische Domstadt gekommen und dies zahlte sich aus. Er ließ seinem 33-jährigen italienischen Kontrahenten Simone Bolelli, war vor ein paar Jahren die Nummer acht der ATP-Doppel-Weltrangliste, wenig Möglichkeiten zur spielerischen Entfaltung, so dass der sich mit 2:6, 5:7 geschlagen geben musste. Ein völlig neues Gefühlt, Team Hämmerling TuS Sennelager führte erstmal in einem Ligaduell mit 2:1. Und man hätte den Vorsprung durchaus ausbauen können.

In der Partie der an vier gemeldeten Akteure führte Sennelagers 22-jähriger Pole Jan Zielinski, auf Grund seines derzeitigen Stipendiums in den USA ohne ATP-Ranking, zwischenzeitlich im Champions Tiebreak mit 5:2. Doch plötzlich war die Lockerheit wie weggeflogen, die Beine wollten auch nichts mehr so wie gewünscht und der 26-jährige Spanier Ricardo Ojeda Lara konnte mit seinem 6:4, 3:6, 10:6-Erfolg das 2:2 Zwischenresultat herstellen. „Schade, da war mehr drin“, sagt Teamchef Marc Renner, „aber wir haben ja noch mit unseren beiden Doppeln alle Möglichkeiten.“

Diese Aussage ist nicht als großspurig zu verstehen, denn der glatte Zweisatzsieg von Jozef Kovalik/David Pel gegen Collarini/Ojeda Lara brachte die Führung ein. Dass Simone Bolelli ein exzellenter Doppelspieler ist, bewies er in einigen kritischen Situationen. „Er spielt fast nur noch Doppel“, so Krefelds Pressesprecher Jörg Zellen, „uns deshalb brauchen wir ihn auch in solchen Situationen, wo er seine ganze Routine und Erfahrung ausspielen kann.“ Last but not least. Mit 6:3, 3:6, 10:5 stellte das Krefelder Duo Bolelli/Dutra Silva gegen Kovalik/Dima das Unentschieden sicher. Freuen konnte sich das Team Hämmerling TuS Sennelager über den Punktgewinn, bedeutet der doch zugleich, dass man sportlich in der 1. Tennis-Point Bundesliga angekommen ist!

Erstmals hatte der Aufsteiger Team Hämmerling TuS Sennelager zwei Siegertypen dabei. Jozef Kovalik setzte sich als Nummer eins ebenso souverän in zwei Sätzen gegen seinen Krefelder Kontrahenten Simone Bolelli durch…© Agentur Klick
…wie sein an Position drei platzierter Teamkollege Ivan Gakhov im Duell gegen den mit italienischen Pass spielenden Argentinier Andrea Collarini. © Agentur Klick