Der Mitaufsteiger aus dem Süden hat klangvolle Namen im Team aber noch keinen Sieg
Paderborn. Auch wenn der augenblickliche Tabellenstand nach sechs Spieltagen in der 1. Tennis-Point Bundesliga der Herren für den Aufsteiger Team Hämmerling TuS Sennelager sehr erfreulich ist, lassen sich die Verantwortlichen davon nicht blenden. „Wir stehen zwar derzeit auf dem sechsten Rang, können aber die gute Platzierung realistisch einschätzen“, sagt Teamchef Marc Renner, „denn wir benötigen noch einen Sieg, um den Klassenerhalt perfekt zu machen.“ Das eine gewisse Skepsis und letztlich auch eine gewisse Demut in seinen Worten mit schwingt, hängt zweifelsohne mit der bevorstehenden siebten Meisterschaftsrunde am kommenden Sonntag (04. August) zusammen, die Klarheit über die beiden Absteiger bringen könnte.
Mehr oder weniger wird sich das Schlusslicht Blau-Weiß Aachen bei einem 0:12 Punktekonto, somit bereits drei Zähler Rückstand auf fläsh TC Weinheim als Tabellenneunten (3:9 Punkte), die sich wohl wieder mit der 2. Liga im kommenden Jahr anfreunden müssen. Zumal für die Kaiserstädter die anstehende Herausforderung beim noch ungeschlagenen Spitzenreiter BW Timberland Finance Krefeld kaum lösbar ist. Krefelds Teamchef Olaf Merkel wird „alle Spieler, die noch in Europa sind, wollen für uns spielen“ eine spielstarke Formation aufbieten, denn die Tabellenführung soll unbedingt bis zum Duell beim Titelverteidiger Grün-Weiss Mannheim am vorletzten Spieltag (10. August) verteidigt werden. Demzufolge dürfte am Sonntagabend auch die Entscheidung über den ersten Absteiger gefallen sein. Eine weitere Vorentscheidung könnte sich in der Domstadt anbahnen. Die Kurpfälzer liegen mit nur einem Punkt weniger auf der Habenseite hinter dem Kölner THC Stadion Rot-Weiss, die die Weinheimer zu Gast haben. Ein Sieg für die Rheinländer, die seit 2015 dem Oberhaus angehören, könnte sie von Abstiegsängsten befreien.
Auf Grund des besseren Satzverhältnisses rangiert der bayerische Aufsteiger TC Großhesselohe mit einem Punktestand von 4:8 vor den Domstädtern, denen ein Sieg Luft zum Atmen im Tabellenkeller verschaffen könnte. Nicht anders sieht es beim traditionsreichen Münchner Vorstadt-Club aus, der im Duell der beiden Liganeulinge die Ostwestfalen erwartet. „Unsere beiden Siege am letzten Wochenende haben alle aufhorchen lassen“, so Renner, „und ich bin überzeugt, dass Großhesselohe gegen uns mit einer sehr starken Formation antreten wird.“ Mit dieser Einschätzung liegt Renner sicherlich nicht daneben, zumal die Siege der Paderborner die Konkurrenz aufgeschreckt und somit die potentiellen Kandidaten im Duell um den Klassenverbleib gegen die >Hämmerlinger< gewarnt hat. Nach 16 Jahren Abstinenz ist der TC Großhesselohe im vergangenen Jahr als Südmeister ins Oberhaus zurückgekehrt und Teamchef Bernard Eßmann formulierte eine deutliche Zielvorgabe: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“
Dass eine gewisse Nervosität auf der Anlage am Isarhochufer vorherrscht, ist auch daran zu erkennen, dass man sich angesichts der möglichen Formation in Schweigen hüllt. „Bekanntgeben kann ich nur, dass Florian Mayer spielen wird“, sagte Großhesselohes Pressesprecher Robert M. Frank, „mehr will Teammanager Christopher Kas nicht verraten.“ Fakt ist, sie wollen sich langfristig in der 1. Tennis-Bundesliga etablieren und mit ihrem prominent besetzten Kader von bayerischen Weltklassespielern – vor allem im Vergleich zum TuS Sennelager – haben sie sich sicherlich aktuell mehr ausgerechnet als gegenwärtig Tabellenplatz sieben.
Namen gefällig? Zum Einsatz kamen bis dato unter anderem der zweifacher German-Open-Sieger Nikoloz Basilashvili (ATP 16) aus Georgien, Dennis Novak (ATP 119), Kamil Majchrzak (ATP 100), Matthias Bachinger (ATP 125), Peter Gojowczyk (ATP 122) oder der aktuelle Doppel-French-Open-Sieger Kevin Krawietz (ATP-Doppelweltrangliste 25). „Viele unserer Spieler kennen die 1. Liga. Unser Ziel ist ein im Saisonverlauf möglichst frühzeitiger Klassenerhalt.“, sagt Eßmann. In einem sind die Ostwestfalen dem Mitaufsteiger aus dem Süden einen Schritt voraus. Sennelager hat zwei Siege, dass Team um den früheren deutschen Davis-Cup-Spieler Christopher Kas hat noch keinen Sieg verbuchen können. Ihre vier Punkte resultieren aus den Unentschieden gegen Allpresan Rochusclub Düsseldorf, Kölner THC Stadion Rot-Weiss, Badwerk Gladbacher THC und Kurhaus Lambertz Aachen. Folge dessen soll sich dies am Sonntag ändern und angesichts der mageren Informationspolitik der Gastgeber muss angesichts des möglichen Personals spekuliert werden.
Die beiden Österreicher Dennis Novak und Sebastian Ofner (ATP 167) sind in Kitzbühel beim 250er ATP-World-Event sowohl im Einzel als auch im Doppel ausgeschieden, ebenso wie Matthias Bachinger. Mit Ihnen ist ebenso zu rechnen wie mit Daniel Brands (ATP 277) oder dem Polen Majchrzak, der beim ATP-Challenger im polnischen Sopot als Nummer zwei der Setzliste bereits in der ersten Runde gegen den Mannheim Jeremy Jahn (ATP 420) verloren hat. Auf keinen Fall werden Peter Gojowczyk und Kevin Krawietz da sein, denn die weilen bereits in den USA.
Derweil noch nicht in den Staaten sind die beiden Hämmerling-Spitzenspieler Antoine Hoang (ATP 109) und Jozef Kovalik (ATP 326), die demzufolge dem Team zur Verfügung stehen werden. Offen ist noch die Position des Nicht-EU-Spielers, wobei sich die Nominierung zwischen den beiden Russen Alexey Vatutin (ATP 199) und Ivan Gakhov (ATP 381) entscheiden wird. Die Reise nach Pullach in den Ortsteil Großhesselohe werden auf jeden Fall Dragos Dima (ATP 322), Arthur Rinderknech (ATP 357) und David Pel (ATP-Doppel 109) antreten. Diese personelle Sennelager-Formation besitzt sicherlich nicht die großen Namen, wie die der Bayern. Ist aber leistungsmäßig so ausgeglichen, dass ihnen auch bei der dritten Auswärtsbegegnung in Folge eine Überraschung zuzutrauen ist. Wie sagte unlängst ein optimistischer Hauptsponsor Ralf Hämmerling: „Die halbe Miete ist geschafft, denn nun können wir es selber schaffen und sind von keiner anderen Mannschaft mehr abhängig. Noch ein Sieg und wir bleiben drin.“

Wer letztlich am Sonntag für den TC Großhesselohe im Duell gegen das Team Hämmerling TuS Sennelager auflaufen wird, ist nicht bekannt, bis auf eine Ausnahme: der 35-jährige Florian Mayer, ehemals die Nummer 18 der Weltrangliste, tritt gegen die Ostwestfalen an. © GERRY WEBER OPEN_KET